Die Katzensprache

Wir sprechen mit Blicken, mit dem Schwanz, mit den Schnurrhaaren - und auf jede erdenkliche Art und Weise

Natürlich sind auch wir nicht stumm, sondern kommunizieren mit unserer Umwelt auf unsere ganz Eigene Art und Weise. Um uns ein wenig besser zu verstehen, lies Dir doch bitte den folgenden Text durch.

Augen:

Die Mimik wird grösstenteils durch den Ausdruck der Augen bestimmt. Aber natürlich spielen auch noch weitere Dinge eine Rolle, etwa Stirnrunzeln oder Naserümpfen. Wusstet Ihr schon, dass ich erstaunt oder ärgerlich aussehen kann? Einige Rassekollegen müssen sogar einen bestimmten Gesichtsausdruck haben (etwa träumerisch oder gemein), der eng mit der Form, Grösse und Stellung ihrer Augen zusammenhängt. Weit geöffnete Augen bedeuten Interesse und Erstaunen. Halb geöffnete Augen Entspannung und Ruhe. Zugekniffene Augen zeugen von Angst, Zwinkern drückt Freude und Wohlbefinden aus. Natürlich gibt es auch noch allerlei Zwischenformen, die in Kombination mit bestimmten Muskelspannungen, Lippenbewegungen und Ohrhaltungen entstehen.


Anstarren:

Unter Unseresgleichen ist Anstarren tabu. Die Höflichkeit gegenüber Kollegen verbietet, dass ich einen Kollegen anstarre. Dieses Verhalten ist nur als Imponiergehabe zulässig und wird am ehesten kurz vor einem Kampf eingesetzt. Wenn ich dagegen wegschaue und meinen Blick auf etwas anderes richte, an meinem Gegenüber vorbei, ist dies eine Art, dem anderen Freundschaft zu signalisieren.


Pupillen:

Die meisten von uns haben schlitzförmige, vertikale Pupillen. Bei einigen Kollegen wie dem Manul und dem Schneeleoparden sind sie allerdings eher rund. Je nach Lichteinfall sind die Pupillen mehr oder weniger erweitert, aber auch die Stimmung hat Einfluss darauf. Erweiterte Pupillen können einerseits ein Zeichen von Aggressivität, andererseits auch von Angst oder Liebe sein.


Ohren:

Ich kann meine beweglichen Ohrmuscheln in alle Richtungen drehen, damit ich kein Geräusch verpasse, das für mich wichtig sein könnte. Ausser Geräuschempfänger sind die Ohren aber auch Stimmungsbarometer. Normal nach vorn gerichtet bedeuten sie Entspannung und neutrale Haltung. Aufmerksam nach oben gerichtet zeugen sie von äusserster Wachsamkeit. Leicht zur Seite gedreht: Ich fühle mich gestört. Sind die Ohren so weit nach hinten gedreht, dass sie in der Umrisslinie des Kopfes verschwinden kann ich jeden Moment aus der Kauerhaltung angreifen. Ich kann auch Unschlüssigkeit ausdrücken: Wenn das eine Ohr zur Seite gedreht ist und das andere (noch) nach oben steht, frage ich mich, wie ich in der betreffenden Situation reagieren soll.


Schnurrhaare:

Bin ich erregt strecke ich mich meine Schnurrhaare weit nach vorn. Bin ich meiner Sache sicher kann ich die Schnurrhaare wieder in die normale gespreizte Position zurückziehen. Habe ich Angst lege ich die Schnurrhaare glatt nach hinten an die Wangen.


Schwanz:

Der Schwanz gehört zu meinen ausdrucksstärksten sprachlichen Mitteln. Rufen die Dosenöffner nach mir, um mir ein Leckerli zu geben komme ich garantiert mit hocherhobenem Schwanz angetrabt. Bin ich schon etwas älter und gesetzter, hängt der Schwanz auf auf halber Höhe. Wenn die Dosenöffner mir nun über den Rücken streicheln und der Schwanz sich trotzdem nicht aufrichtet, stimmt etwas nicht. Dann bin ich entweder schlecht gelaunt, bedrückt, ausser Kondition oder sogar krank.


Herunterhängender Schwanz:

In neutraler Stimmung lasse ich meinen Schwanz einfach herunterhängen. An der Tatsache, dass sofort Spannung in den Schwanz kommt, wenn ich mich strecke oder ich mir beim Strecken die Krallen schärfe, kann man erkennen, dass zum Strecken ein geistiger Vorgang gehört. Die hintere Hälfte des Schwanzes hängt noch immer herab, während die erste Hälfte ab der Schwanzwurzel schon etwas aufgerichtet wird. Ich bereite mich auf eine Aktivität vor. "Ich bin wach, was soll ich jetzt anstellen?"


Aufgerichteter Schwanz:

Ein aufgerichteter Schwanz ist meist ein Zeichen von grosser Freude. Ich lade den Dosenöffner oder Kollegen ein, meine Visitenkarte zu beschnuppern. Die gegenseitige Analkontrolle (so identifizieren wir uns untereinander, wenn wir uns treffen) ist viel einfacher, wenn man den Schwanz nach oben streckt. Frei nach dem Motto: "Ich finde dich nett, Du mich auch?"


Flaschenbürste:

Nicht immer herrscht jedoch Friede, Freude, Eierkuchen, wenn ich meinen Schwanz aufrichte. So ist die Flaschenbürste eine drastische Unmutsäusserung. Der Schwanz steht senkrecht in der Luft, alle Haare sind gesträubt. Ich mache mich so grösser, eindrucksvoller und furchterregender. Diesen Ausdrucksmittel dient der aggressiv-bedrohlichen und verteidigenden Abschreckung. Es heisst: "Vorsicht: Ich habe wirklich keine Angst!"


Schwanzwedeln:

Auch ich wedele hin und wieder mit dem Schwanz, manchmal sogar in fliessenden Bewegungen. Wie ein Fragezeichen, in der meine freundliche Spielstimmung mitschwingt. Auch hier zeige ich meine Individualität: Der eine Kollege wedelt mehr mit dem Schwanz als der andere. Diese Bewegung kommt übrigens dem Schwanzwedeln der Hunde am nächsten und bedeutet: "Ich habe gute Laune".


Der Schwanz als Erziehungsmittel:

Als Baby habe ich früher oder später begonnen, wie wild mit dem Schwanz meiner Mutti zu spielen. Ich habe ihn als Beute betrachtet und habe ihn belauert, beschlichen und gefangen. Meine Mutti hat mir mit ihrem wild schlagenden Schwanz gedeutet: "Komm, Kind, Zeit für die nächste Jagdlektion".


Schwanzschlagen:

Wenn ich mit dem Schwanz schlage (außer Kollegenmuttis bei ihren Jungen), drücke ich damit Ärger aus. Ich tue das, wenn ich gegen meinen Willen festgehalten werde, aber auch wenn ich mich nicht wohlfühle: "Vorsicht, ich werde wütend!"


Ablenkungsmanöver:

Der Schwanz kann auch als Ablenkung bei der Jagd gebraucht werden. Wenn nur seine Spitze hin und her schlägt, richtet sich die Aufmerksamkeit des Beutetiers ganz auf diese Bewegung. So merkt es nicht, dass mein Kopf und meine gefährlichen Krallen viel näher bei ihm sind...